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Schlaumeierleela: Peptide – die Wunderwaffe in Sachen Anti-Aging?

Hallo ihr Lieben,

ich bin schon öfter zu Peptiden befragt worden und konnte nie so richtig Auskunft geben. Alles, was ich bis vor Kurzem darüber wusste, hatte ich von Agata, die was Antiaging betrifft, Peptide als mindestens so wirkungsvoll wie Vitamin C oder Retinoide anpreist. Nur sollen sie den Vorteil haben nicht so viele Nebenwirkungen mit sich zu bringen. Also habe ich angefangen ein bisschen zu recherchieren und bin auf eine interessante Review gestoßen, die ich euch heute vorstellen möchte. Ich werde viel über Hautbestandteile schreiben, die ich schon mal in einer Artikel-Reihe erklärt habe.

Was sind eigentlich Peptide?

Peptide sind aneinandergereihte Aminosäuren, die Bausteine, die Proteine bilden. Der Unterschied zu den Proteinen ist, dass Peptide aus deutlich weniger Aminosäuren bestehen, also kleiner sind.

Peptide

Unterschiedliche Wirkungsweisen

In der Review werden die Peptide in 4 Gruppen unterteilt

  1. Signalpeptide
  2. Enzyminhibtorpeptide
  3. Neurotransmitterinhibitorpeptide
  4. Carrierpeptide

1. Signalpeptide

Signalpeptide sorgen dafür, dass die Produktion der Matrixproteine in der Dermis, besonders die von Kollagen angeregt wird. Das wird z.B. dadurch erreicht, dass bestimmte Zellen, die diese Proteine herstellen, zum Wachsen angeregt werden. Aber auch die Produktion von Elastin oder Proteoglykanen kann durch Signalpeptide stimuliert werden. Viele dieser Proteine haben eine hohe Wasserbindefähigkeit, was für  ein geglättetes und pralleres Hautbild sorgt.

Beispiele für Signalpeptide sind z.B. Tripeptide-10 Citrulline (Descorinyl), Palmitoyl oligopeptide (Matrixyl) oder Palmitoyl tripeptide-3/5 (Syn-Coll)

2. Enzyminhibitorpeptide

Kurzer Exkurs: Was sind Enzyme?

Enzyme sind Proteine, die dafür sorgen, dass eine biochemische Reaktion besser bzw. leichter und schneller abläuft (deswegen nennt man sie auch „Biokatalysatoren“). Im Gegensatz zu den Ausgangssubstanzen, geht das Enzym aber unverändert aus der Reaktion wieder heraus.

Enzyminhibitoren hemmen direkt oder indirekt Enzyme, z.B. Proteinasen, die die Proteinbestandteile der Dermis abbauen. Zu diesen Enzymen gehören auch die Matrix-Metalloproteinasen, die Kollagen abbauen und so das Pro-Aging fördern. Ihre Aktivität kann übrigens durch UV-Strahlen gesteigert werden, was nochmal die Wichtigkeit von Sonnenschutz zur Prävention von Fältchen betont.

Ein Beispiel für Enzyminhibitorpeptide ist Sojaprotein (Anti-Aging geht auch naturkosmetisch!).

3. Neurotransmitterinhibitorpeptide

Neurotransmitter sind wichtige Signalmoleküle, wenn es um die Übertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle oder Nervenzelle zu Muskel geht. Beim Thema Falten geht es um die Vermittlung von Signalen an die Gesichtsmuskeln, die durch Zusammenziehen unsere Haut knittern. Damit der Befehl übertragen werden kann, müssen Neurotransmitter aus der Nervenendigung freigesetzt werden und hier greifen die Peptide ein (es wird auch noch einen Post geben, in dem ich das genauer erkläre). Ohne Ausschüttung von Neurotransmittern fehlt das Signal des Nerven an den Muskeln sich anzuspannen und er bleibt schlaff, die Haut wird nicht geknittert. Genau nach diesem Prinzip funktioniert übrigens auch Botox, aber sehr viel stärker.

Beispiele für Neurotransmitterpeptide sind z.B. Acety hexapeptide-3/8 (Argireline) und Tripeptide-3 (Syn-Ake).

4. Carrierpeptide

Die Carrierpeptide haben die Funktion andere Wirkstoffe in die Haut zu transportieren. Das macht man sich z.B. bei der Wundheilung zu Nutze um wichtige Spurenelemente in die reparierenden Zellen zu bekommen. Auch hier hat man in mehreren Studien eine faltenreduzierende Wirkung festgestellt. In einer Studie übertraf die Wirkung von GHK-CU die von Vitamin C und Tretinoin, warum das trotzdem kritisch zu betrachten ist, könnt ihr bei Agata nachlesen.

Ein Beispiel für ein Carrier- und Signalpeptid ist Copper tripeptide-1 / GHK-CU (Copper complex/ lamin).

In der Schlussfolgerung der Review steht, dass es zu allen vier Gruppen Daten gibt, die darauf hindeuten, dass sie eine faltenreduzierende Wirkung auf die Haut haben, dass die Datenlage zur Hautpenetration aber eher schlecht aussieht. Sie ist aber schon 2008 veröffentlicht worden, also werde ich weiterrecherchieren und euch dann berichten!

Benutzt ihr Peptide in eurer Hautpflege? Welche Produkte benutzt ihr?

Eure Leela


Quelle:

Gorouhi, F.; Maibach, H. I. (2009): Role of topical peptides in preventing or treating aged skin. In: International journal of cosmetic science 31 (5), S. 327–345. DOI: 10.1111/j.1468-2494.2009.00490.x.

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10 Kommentare zu „Schlaumeierleela: Peptide – die Wunderwaffe in Sachen Anti-Aging?

  1. Danke für den interessanten Artikel!

    Ich benutze die Rival de Loop Revital Q10 Glättende Augencreme, die Peptide enthält, wenn auch vermutlich in einer eher geringen Konzentrationen. Ursprünglich habe ich sie nur gekauft, weil ich auf der Suche nach einer reizfreien, möglichst günstigen Augencreme war. Ich habe dann mehrere Produkte der Drogerie Eigenmarken ausprobiert und diese brennt nicht in den Augen und ist weder zu wässrich noch zu reichhaltig für mich. Als ich dann bei Agata über Peptide gelesen habe, war ich ganz begeistert, dass ich schon lange ein Produkt in Benutzung habe, das welche enthält!
    Es sind Palmitoyl Tripeptide-5, weißt du zu welcher Gruppe dieses Peptid gehört?

    Liebe Grüße Lizzy

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Lizzy,
      Das gehört auch zu den Signalpeptiden. Die Augencreme kenne ich noch gar nicht, muss ich mir unbedingt mal anschauen. Bei mir brennen nämlich auch viele Produkte für die Augen.
      Freut mich, dass dir der Artikel gefällt!
      Liebe Grüße zurück!

      Gefällt mir

      1. Danke Dir für die Antwort!
        Die Creme solltest Du unbedingt mal probieren, sie ist zur Zeit sogar mal wieder im Angebot für 1,99 statt sonst 2,99. Für den Preis kann man echt nicht viel falsch machen. Für mich ist sie ein echter Drogerie-Liebling. Da ist es ja immer schwierig milde Produkte zu finden und diese hier enthält sogar noch ein paar Anti-Aging-Inhaltsstoffe:

        Aqua, Glycerin, Cetearyl Alcohol, Ethylhexyl Isononanate, Macadamia Ternifolia Seed Oil, Vitis Vinifera Seed Oil, Zea Mays Germ Oil, Tocopheryl Acetate, Panthenol, Butyrospermum Parkii Butter, Cetearyl Glucoside, Phenoxyethanol, Magnesium Aluminium Silicate, Sodium Lactate, Sodium Pca, Sodium Cetearyl Sulfate, Citric Acid, Ethylhexylglycerin, Xanthan Gum, Disodium EDTA, Ubiquinone, Lecithin, Ascorbyl Palmitate, Pantolactone, Glyceryl Stearate, Sodium Benzoate-Fructose, Glycine, Inositol, Lactic Acid, Niacinamide, Urea, Glyceryl Oleate, Palmitoyl Tripeptide-5

        Für ein so günstiges Produkt finde ich die INCI echt super, auch wenn die Konzentration der Anti-Aging-Inhaltsstoffe vermutlich nicht ganz so hoch ist wie bei manchen teureren Produkten.

        Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

  2. Sehr interessanter Artikel – hätte Peptide bisher nicht wirklich auf dem Schirm! Bin in letzter Zeit nur immer wieder über das Wort gestolpert.. nun weiß ich mehr. Bin gespannt, was sich in die Richtung noch tut! 🙂

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  3. Wie lustig!! Genau zu diesem Thema hatte ich mich letzte Woche bezüglich eines INCI-Wiki Artikels eingelesen. Das von Dir zitierte Paper ist mir dabei auch in die Hände gefallen.
    Bisher hatte ich Peptide so gar nicht auf dem Schirm, nach meiner Recherche, war ich aber relativ angetan und wollte mich demnächst mal auf die Suche nach Produkten machen, die geeignete Peptide in sinnvollen Konzentrationen einsetzten.
    Ich denke in der Richtung lässt sich viel machen, habe aber das Gefühl, dass noch viel in Sachen Hautpenetration und dem Erreichen ausreichender Gewebekonzentration tun muss.

    Viele Grüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sarah,
      oh, dann freue ich mich umso mehr auf den Wikibeitrag! Ich werde auf jeden Fall noch deutlich mehr dazu lesen müssen, finde das Thema super spannend. Bin auch auf jeden Fall interessiert, was es da noch an Forschung zu geben wird.
      Viele Grüße zurück!

      Gefällt mir

  4. Peptide sind ein sehr schweres Thema finde ich. Aber respekt, dass du dich damit auseinander gesetzte hast. So genau habe ich mich mit ihnen bisher nämlich noch nicht beschäftigt, aber immerhin bin ich jetzt etwas schlauer. Bis jetzt habe ich noch nicht wirklich drauf geachtet, ob Peptide in meinen Pflegeprodukten drin sind oder nicht, denn ich gebe anderen Inhaltsstoffen mehr Priorität. Aber was nicht ist, kann ja noch werden ;D Ich bin immer auf der Suche nach Optimierung =)

    Liebe Grüße,
    Vera

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